5. November 2013

Um 6:30 klingelt der Wecker, Duschen, Anziehen, Proviant suchen und Äpfel finden. Um 7:45 sehe ich anscheinend aufbruchsbereit aus, draußen sitzt einer im Auto und lässt es an, während mir auffällt, dass mein Telefon noch im Schlafzimmer liegt. Nach einem kurzen Sprint treppauf treppab sind alle vorgesehenen Plätze im Auto besetzt, um acht bin ich im Geschäft. Ich kurbele gleich mal das Schild herunter, wenn ich ohnehin noch eine Jacke anhabe. Die Kolleginnen und Kollegen wirken alle noch leicht verschlafen, es wird wohl langsam Winter. Ich tausche Weine in den Kühlgondeln aus und fülle Regale, dann ist es viertel nach neun. Zeit, sich an den Schreibtisch zu setzen und sich um Kundendaten zu kümmern. Zwischendurch kommen ein paar Kunden, aber dienstags ist es immer recht ruhig, auch das Telefon klingelt selten. Ab etwa halb elf kommt Fahrt in die Sache, eine falsche Rechnung aus der Vorwoche will korrigiert werden, was nicht ganz einfach ist, weil sie deshalb falsch ist, da sie mit den standardmäßig bekannten Mitteln der Software nur falsch sein kann. Zum Glück finde ich den Weg außenherum, sozusagen, und jetzt passt alles. Außerdem verknoten wir uns zu dritt das Hirn über dauerhafte Schlüsselübergabelösungsmöglichkeiten, ohne zufriedenstellendes Ergebnis allerdings, aber dafür mit Besichtigung ein paar sehr abgefahrener Varianten. Eine Kollegin geht um 12 ganz heim, ich mache um 12 Mittagspause, vorher sprechen wir wenigstens noch das Schlüsselprozedere für diese Woche ab. Ich beschließe, das sonnige Wetter zu nutzen und zum Supermarkt im nächsten Ort zu laufen, schaue dann aber auf mein Telefon und entdecke, dass der Geckomann mich um 10:27 frug, wann ich Mittagspause mache. Er macht sie immer um 12, ich aber mal um 12 und mal um eins, in Abhängigkeit anwesender und abwesender Kolleginnen und auch der Verfügbarkeit von deren Großmüttern, denn Dienstag ist scheinbar allgemeiner Mittagessen-bei-Oma-Tag. Nun, da bin ich außen vor, also sammelt mich mein Mann auf und wir gehen in einem anderen Nachbarort etwas essen.
Um eins bin ich wieder am Start und widme mich meinen Kundendaten. Es kommt ein Vertreter für Geschenkkartons vorbei, der eigentlich zu meiner mittagspausierenden Kollegin will, aber sich von ihrer Abwesenheit nicht bremsen lässt und stattdessen mir seine Rede angedeihen lässt. Ein paar Sachen sehen interessant aus, am meisten fasziniert mich allerdings seine Frisur; außerdem stelle ich mir im Nachhinein die Frage, ob er den Geruch seines parfümierten Prospekts angenommen hat, oder ob das ursprünglich geruchlose Papier des Prospekts sich der Übermacht seines Rasierwassers beugte – in jedem Fall entströmt den Blättern auch am Abend noch eine starke Wolke, die ich nicht unbedingt als verkaufsfördernd empfinde.
Als die Mittagspause allerseits beendet ist, präsentiere ich meine Rechnungskorrektur samt zukünftiger Umgehung des Problems und deponiere die Anleitung dafür an einem Platz, an den sich hoffentlich noch jemand außer mir erinnern wird. Kundendaten und Kundendaten, und eine Kundin möchte was zu Cabernet Dorsa wissen und ob zur Gans besser er oder der Cabernet Sauvignon passt. Während ich danach den Dorsa-Vorrat wieder auffülle (rein subjektive Empfehlung übrigens, aber ist das nicht bei allen Empfehlungen so?) kommt ein Mann herein, der eher ein Fahrer als ein Kunde zu sein scheint, aber keiner der üblichen Verdächtigen. Er ruft fragend etwas von „Italia“ und ich erkläre ihm näherkommend freudig, dass ich in der Tat italienisch spräche, was allerdings sehr untypisch keine erfreute Gegenreaktion verursacht. Auch meine Frage, ob er etwas abholen wolle, wird mit hilflosen, uneindeutigen Kopfbewegungen beschieden, bis er ein kleines Büchlein aufschlägt, in dem offensichtlich Lade- und Lieferort notiert sind. In den Lieferscheinen findet sich nichts, der Exportkollege kommt gerade vorbei und hat auch keine Ahnung, aber schickt mich ins Vertriebsbüro, vielleicht wolle er ja gar keinen Wein abholen sondern etwas anderes. Tatsächlich, die Kollegin von dort hat Ahnung, er soll Hefe laden, und während sie mit Händen und Füßen um Zollpapiere bittet, verständige ich den Kellermeister. Bis er da ist, haben wir herausgefunden, dass der Fahrer Bulgare ist und keine Sprache spricht, die irgendeiner von uns im Repertoire hat. Erstaunlich schnell scheint er aber mit dem anfänglichen „Rück-wärts“ etwas anfangen zu können, und die beiden Herren ziehen von dannen. Später sind noch ein paar Aufträge zu schreiben und, Überraschung, Kundendaten aufzufrischen, ich lerne einen weiteren unsrer Vertreter kennen, um fünf leert sich das Haus, stelle so langsam mal meinen eigenen Einkauf zusammen, versorge noch die übliche Feierabendkundschaft, mache gemütlich meine Kasse, kurble das Schild hoch und bin ziemlich pünktlich vor verschlossener Tür. Ich hätte es nicht ganz so genau nehmen sollen, jetzt darf ich noch im windigen Regen warten, bis mich der Geckomann zum verabredeten Zeitpunkt (18:05) wieder aufsammelt.

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