Und nun etwas Kultur

Am Samstag war in Mannheim/Ludwigshafen/Heidelberg mal wieder die Lange Nacht der Museen, und diesmal hab ich es zum ersten Mal überhaupt geschafft, dort auch mal hinzugehen. Interessiert hat mich das schon geraume Zeit, aber irgendwas war immer…

Erster Halt: Kunsthalle Mannheim

3/5 wollten unbedingt die Nutellaskulptur sehen – nun ja. Es sieht auch in live so aus, als habe jemand gründlich auf einen Zaun (Rabitzdraht, um genau zu sein ;-)) geschissen, riecht aber deutlich besser. Mir gefiel das Skulpturen-Hochregal besser, des Geckomanns Liebling war, das wird vermutlich niemanden überraschen, ein Kopf aus Monitoren, Tastaturen, Fernbedienungen und Ähnlichem. Der ehemals sprühende, abgestürzte Rasenmäher, war ebenfalls interessant, vor allem musste man das halbe Haus durchsuchen, bis man alle drei Teile (Fahrstrecke, Absturzstelle, Video) zusammengepuzzelt hatte. Was ich erst jetzt beim Schreiben und Recherchieren bemerke, ist die Tatsache, dass ausschließlich Skulpturen ausgestellt waren, das erklärt mir dann aber auch die umherliegenden „Nur Skulptur!„-Heftchen…

Insgesamt fiel mir auf, dass ich schon lange nicht mehr in der Kunsthalle war, und dass ein Besuch dort deutlich angenehmer ist, wenn einem keiner das Ohr abkaut, wie furchtbar unlogisch das doch alles angeordnet ist (Wer ordnet denn bitteschön Kunst nach Epochen?!), und dass dies und jenes ja wohl keine Kunst sei (schließlich kann ja jeder auf den Auslöser einer Kamera drücken, klarer Fall), und überhaupt, was wolle Mannheim überhaupt mit einer Kunsthalle, das interessiere hier doch niemanden, seien ja alles Assis. Dieses Erlebnis trug sich vor inzwischen schon zehn Jahren zu, aber ich kann mich noch immer prima darüber aufregen. Es war auch ein mitentscheidender Grund gewesen, diese Freundschaft zu kündigen. Jedenfalls, zurück zum Thema:

Wir liefen kurz am Wasserturm vorbei, schlossen aus der Länge der Warteschlange auf die Anstehdauer und beschlossen, dass das jetzt nicht sein müsse. Dafür haben wir ein wenig den Friedrichsplatz von oben genossen und die weitere Route geplant.

Friedrichsplatz

 

Zweiter Halt: Paradeplatz, Bunker

Auch hier eine lange Warteschlange, aber sie bewegte sich recht zügig in Richtung Untergrund – allerdings war dieser gar nicht soo tief unten, wie vermutet. Dafür möchte ich mir bitte nicht vorstellen, dass in diesen zwei nicht so wahnsinnig großen Räumen 1500 Menschen ausharren mussten. Graffiti in schwarz-weiß-paketbraun, und ein Satzfragment, das ich erst nach einiger Zeit einsortieren konnte. Es stammt aus „Esperanto“ von Freundeskreis.

Im Bunker

 

Dritter Halt: Historische Straßenbahn

Nun ja, „Halt“ trifft es eigentlich ja nicht ganz, schließlich bedienten diese Museen auf Schienen die Museumslinie H in der Mannheimer Innenstadt. Wir fuhren im OEG-Salonwagen zum Schloss und freuten uns den ganzen Abend über die kurzen Triebwagen, die umhersausten, zum Beispiel den Wagen 1122 der Rhein-Haardtbahn .

RHB 1122

 

Vierter Halt: Schlosskatakomben

Im Ehrenhof roch es so, als gäbe es was zu essen. Gab es auch, sogar als Teil der Ausstellung, nur war die Schlange mal wieder sehr lange, so dass wir uns lieber drinnen aufwärmten und die Kunst auf Pizzakartons an den Wänden ansahen. Hatte was. Danach ging es dann aber dringend zum Hauptbahnhof, die Käsekrainer riefen uns, und weil wir grade schon mal da waren, gab es auch noch das erste Freiluft-Eis der Saison. Die Lagebesprechung im Schloss hatte ergeben, dass wir uns im Anschluss in die Neckarstadt-West begeben würden.

Fünfter Halt: Altes Volksbad

Dies war die Sache, die mich im Vorfeld am meisten angesprochen hatte. Drei Projekte der FotografInnen-Gruppe „Blende 11“ wurden ausgestellt, und zwar in den Baderäumen. Ich mag generell gute Stadtaufnahmen ganz gerne, sodass das  Projekt „focus m²“ mir ziemlich zusagte. Einzig die unscharfen Aufnahmen in einem der Räume irritierten mich zunächst ziemlich, bis mir dann auffiel, dass diese mit der Lochblende gemacht wurden. Na gut. Sehr lustig war „Augenpaare“, das man auch vor Ort selbst reproduzieren konnte. Die Grenzen zwischen Ausstellungsraum und Fotostudio verschwammen bei den Porträtaufnahmen, die im Bad entstanden waren. Dabei kamen interessante Gegensätze heraus.

Auch ein Porträt mit Gegensätzen
Augenpaare 1
Augenpaare 2
focus m²

Beim Warten auf die Straßenbahn zurück Richtung Paradeplatz fiel mir dann ein Freiluftsofa auf, das einfach fotografiert werden wollte, und bei der Gelegenheit glaube ich, links oben eine ehemalige Wohnung meiner geschätzten Verwandtschaft abgelichtet zu haben.

Freiluftsofa

 

Sechster Halt: Wasserturm

Die Schlange war zwar nur unwesentlich kürzer als zu Beginn des Abends, aber es war inzwischen zu spät, um noch nach Heidelberg zu fahren, und zu früh, um schon die Segel zu streichen, also stellten wir uns an. So furchtbar lange dauerte es auch nicht, und immerhin konnten wir während der Wartezeit die Frage klären, ob denn jetzt noch Wasser im Turm sei oder nicht (nein, seit 2000 nicht mehr), und ich konnte mal wieder anbringen, woher die Steine sind, aus denen der Turm gebaut wurde. (Laut Geckomann habe ich ihm das schon mindestens fünfmal erzählt und mein Vater zweimal. Na gut. Trotzdem. Aus Weiler!) Ich war vorher recht skeptisch, weil ich die Beschreibung im Prospekt eher merkwürdig fand, war dann aber doch angenehm überrascht. Die Band spielte gut und war auf der Treppe mitten im Raum auch gut platziert, man konnte das Innenleben des Turms in Augenschein nehmen, das, was mir vorkam wie unser Sonnensystem sollte auch tatsächlich unser Sonnensystem darstellen (mit 14qm Blattgold auf Sonne und Jupiter), das Licht war angenehm und die Beleuchtungsschalttafel brachte mich wieder auf eine Idee.

Band auf Treppe in Turm
unten
Sonnensystem

Verschoben auf „irgendwann vor Ende August“ wurde der Besuch im Technoseum, die dortige Ausstellung zur Arbeiterbewegung interessiert mich, war aber nichts, für das ich am späten Abend noch genügend Hirnkapazität gehabt hätte.

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