Camilleri

Meine Begeisterung für Andrea Camilleris Sizilien-Krimis (meist mit Commissario Montalbano) reicht schon ein paar Jährchen zurück. Da ich aktuell gerade mal wieder zwei Bücher von ihm gelesen habe (und nachher ein weiteres anfangen werde) bin ich auch über einige Zitate gestolpert, die dafür sorgen, dass diese Begeisterung sicher nicht abnehmen wird. Ich habe diese zwei Bände zwar nun auf deutsch gelesen und natürlich ist die Übersetzung immer etwas anders als das Original, aber da ich mir auch schon italienischsprachige Ausgaben zu Gemüte geführt habe bzw. auch schon ein oder zwei Mal beide Sprachen parallel gelesen habe (ich wollte einfach wissen, wie die Übersetzung so ist), wage ich zu behaupten, dass die (oft von Christiane von Bechtolsheim) übersetzten Ausgaben mit den Originalen durchaus mithalten können, die entscheidenden Eigenheiten der Figuren, die eben auch häufig sprachliche Eigenheiten sind, kommen jedenfalls gut heraus.

Eindeutig bestes Beispiel dafür ist Catarella. Catarella ist sehr liebenswert, stürmisch und emotional, aber nicht unbedingt der Hellste. Und seine Sprache ist, nun ja, sehr individuell. Er will immer alles ganz genau formulieren, was oft genug in unverständlichen bis sinnlosen Sätzen endet, und ist außerdem seinem Commissario treu ergeben: „Dottori, wenn Sie mich persönlich bitten, Ihnen höchstpersönlich einen Gefallen zu tun, dann tun Sie mir einen Gefallen, wenn Sie mich darum bitten.“ (Andrea Camilleri, Die Nacht des einsamen Träumers, Seite 222) – diese Woche gefunden, und ich kann mich jedesmal wieder aufs Neue vor Lachen in die Ecke schmeißen, wenn ich an den Satz denke. Übrigens finde ich, dass Catarella in den Montalbano-Verfilmungen von RAI und ZDF ziemlich gut getroffen ist, ich habe ihn mir fast genauso vorgestellt.

Und damit hier nun nicht der Eindruck entsteht, es handele sich um slapstickartige comedyhafte Massenware (er verkauft sich ganz gut, aber unter „Massenware“ stelle ich mir trotzdem was anderes vor) – es gibt noch einige Punkte mehr, die ich an den Büchern schätze. Es werden aktuelle politische und gesellschaftliche (vornehmlich natürlich italienische) Themen aufgegriffen, ohne jemals reißerisch zu werden, der Commissario ist ein belesener Mann, der gerne mal mit Literaturzitaten um sich wirft, dem Essen und seiner Zubereitung wird in allen Bänden eine wichtige Rolle eingeräumt (manchmal werden da sogar fast genaue Rezepte geschildert), die Charaktere haben auch dann Charakter, wenn sie nur kleine Rollen sind, und die wiederkehrenden Frauenrollen haben ordentlich was auf dem Kasten.

Wenn also jemand gute Krimis lesen will, ich wüsste da was 😉

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